Konzeptionen
Erich Füllgrabe
Kunst als Teilchenbeschleuniger

„Das Bedeutsame an einem Teilchenbeschleuniger ist nicht, dass er neue Teilchen erzeugt, sondern dass diese uns ermöglichen, die Welt besser zu verstehen.“
(Merrit Jaboksen)


„Er sagte, er untersuche Bezugssysteme. Seine Bildtafeln, Papierarbeiten und Installationen bezögen sich dabei immer wieder auf naturwissenschaftliche Themen aus Physik, Astronomie, Chemie, Biologie und der Geologie. Diese brächte er in Korrespondenz zu Motiven der Kunst- und Kulturgeschichte. In seinen „Arbeiten zur Wissenschaft“, die er als „Relationsexperimente“ begreife, setze er Elemente unterschiedlicher Ordnungssysteme - Vorlagen aus Lehrbüchern, Tafelwerken und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die er seit mehr als 20 Jahren sammele, kopiere, archiviere und überarbeie -  miteinander in Beziehung.“
„Das Collagieren sei für ihn dabei mehr als nur eine gestalterische Technik. Es wäre eine adäquate Methode, die Welt, die sich ihm als komplexes Sytem gleichzeitig existierender Bezugssysteme darstelle, zu analysieren. Naturwissenschaftliche Ordnungen, kulturhistorische Kontexte und künstlerische Positionierung ergäben ein Konglomerat das die Welt forme. Es ginge ihm dabei nicht um bloße Bewertung, sondern um Darstellung und Auseinandersetzung.“
„Durch das „in-Beziehung-setzen“ von Kunst- und Wissenschaftssprache experimentiere er mit neuen Bedeutungen und Inhalten von „Definitionen“. Für ihn wäre daher die Schnittmengen der unterschiedlichen Ordnungssysteme von entscheidender Bedeutung. Ihn interessierten Wirkungen und Prozesse die entstünden, wenn sich verschiedene Ordnungen berührten oder überlagerten, - nicht um sie zu beurteilen, sondern um sie besser zu verstehen.“
(aus:     „Beobachtetes Grenzgebiet – Forschung und Irrlehre“, Hanz Jökull, Hågebørgmark, 1972


„Verstehen wir Kunst als eine Laborsituation und Kunstwerke als Experimente, mit denen Künstler Phänomene der Kommunizierbarkeit untersuchen, um etwas über die Welt, in der wir Leben, herauszufinden, dann werden die Betrachter von Kunstwerken selber zu Laboranten. Wir experimentieren mit den Wirkungen, die die Kunstwerke in uns hervorrufen. Wir vergleichen diese Wirkungen mit unserem Archiv – unseren Erinnerungen und wir überprüfen diese Wirkungen auf ihre Gültigkeit in Bezug zu unseren Fragen, die wir an die Welt haben. Und wenn wir dann auch noch über unsere Erfahrungen kommunizieren, dann werden wir vielleicht sogar Forscher.“
(aus:     „Theorien über Nix“, N. Iemand, Wattenscheid, 2002)


„Die »Relationale Feldforschung« begann für ihn 1962. Ausgehend von Malerei und Collage erweiterte er seine Mittel durch die zielgerichtete Einbindung verbaler und textlicher Elemente, um visuelle Wahrnehmungserfahrung mit verbalem Verstehen zu vernetzen. Indem er Kunstsprache und Wissenschaftssprache miteinander in Beziehung setzt experimentiert er mit neuen Definitionen sowohl für Kunst-, wie für Wissenschaftsverstehen, um Möglichkeiten eines anderen Zugriffs auf Realität zur Diskussion zu stellen. Seit den späten 90er Jahren des letzten Jahrhunderts arbeitet er verstärkt im Bereich der artifiziellen Nullforschung und entwickelt Installationen, Darstellungen, Rekonstruktionen und Modelle Øsebergscher und Hanzholmer Laboratorien. Seine Collagen, Zeichnungen und Malereien versteht er dabei als theoretische Forschung.
(Merrit Jaboksen)

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